„Worauf es mir ankommt, ist das Leben darzustellen“

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Jeder kennt ihn und fast jedem gefallen seine Bilder und in diesem Jahr ist Vincent Van Goghs 125. Todestag – eigentlich schon genug Gründe, um sich jenem niederländischen Maler in meinem ersten Blogeintrag zu widmen. Doch wenn man sich mit Kunst beschäftigt und von ihrer Strahlkraft berührt wird, spielen große oder kleine Namen, allgemeine Beliebtheit oder Abgedroschenheit keine Rolle. Als ich das erste Mal bewusst Arbeiten von Van Gogh sah, war ich mit meiner Realschulklasse auf Museumsfahrt in Bremen und wir schauten uns in der Kunsthalle Bremen die Ausstellung Van Gogh: Felder – das Mohnfeld und der Künstlerstreit an.

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Das Lied von Tocotronic Die Welt kann mich nicht mehr verstehen gibt mein Lebensgefühl jener seltsamen Tage zwischen Kind sein und Erwachsen werden relativ treffend wieder. Wie so viele Teenager passte ich nirgends rein: nicht in meine neue Skinny-Jeans, nicht in meine Schulklasse und nicht in die Kleinstadt, in der ich aufwuchs. Über Van Gogh wusste ich zu dieser Zeit so gut wie gar nichts: nie hatte ich von seinen vielen Kämpfen mit sich und anderen oder seiner lebenslangen Suche nach dem Wahren in der Malerei gehört. Auch wusste ich nichts von seinem tragischen Tod bei dem er sich am 27.Juli 1890 eine Kugel in die Brust schoss und daraufhin zwei Tage später an den Folgen starb.

Feld

Ich stand einfach nur vor seinen Werken und konnte nicht umhin von seinen gelben, leuchtenden, unfassbar schönen Feldern vereinnahmt zu werden. Nie zuvor hatte ich Malereien gesehen, die mich so tief bewegten und mir das Gefühl gaben nicht allein zu sein in dieser Welt. Alles war so intensiv: die dicke Ölfarbe, die Komplementärtöne, die etlichen kleinen Striche, aus denen das Bild zusammengesetzt schien. Es sprach so viel Sehnsucht, so viel Einsamkeit, so viel glühendes Gefühl aus ihnen – sie erschienen mir wie ein Ausbruch von Farben und Eindrücken.

Van Gogh hat Zeit seines Lebens traurigerweise genau ein Bild verkauft: „… es macht mir große Sorgen, dass ich so viele Bilder und Zeichnungen gemacht habe, ohne je etwas davon zu verkaufen“, schrieb er an seine Schwägerin. Er brach die Regeln der traditionellen Malerei, womit er in der Gesellschaft auf Verständnislosigkeit und bei den Kritikern auf Abneigung stieß. Ein Autodidakt, der es weder an der Kunstakademie noch unter Künstlerkollegen aushielt und immer wieder getrieben von seinen inneren Dämonen mit vielen Menschen brach. Sein Verlangen war es, das wahre in den Dingen zu malen, „… die Luft, die in die Lungen des Feldarbeiters strömt“.

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An seinen Bruder Theo schrieb er: „What am I in the eyes of most people – a nonentity, an eccentric, or an unpleasant person – somebody who has no position in society and will never have; in short, the lowest of the low. All right, then – even if that were absolutely true, then I should one day like to show by my work what such an eccentric, such a nobody, has in his heart.“

Heute, dreizehn Jahre später, überkommt mich immer noch die gleiche Begeisterung bei Van Goghs Bildern. Als ich mehr über seine Biografie erfahren habe und den aufwühlenden Briefwechsel zwischen ihm und Theo las, fiel mir auf, wieviel ich von dem, was er über seine Gedanken und Gefühle, also über sein Herz, schreibt, schon damals im Museum – ohne kunsthistorisches Vorwissen, nur mit dem bloßen Auge – in seinen Werken sehen konnte. Dies ist weniger der Beweis für mein Kunstverständnis als vielmehr ein weiterer für seine „… Kraft zu schaffen“.

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